De Hochstädter - 5 Jahre "Unsere eigene Umgehung" Teil 1

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Neues und Wissenswertes aus Hochstädten
De Hochstädter Neues und Wissenswertes aus Hochstädten 5 Jahre

Im Herbst 2010 war Hochstädten deutschlandweit in aller Munde. Die Einwohner hatten sich zusammengetan, um ein Projekt zu verwirklichen, das seinesgleichen sucht. Um eine dreimonatige Vollsperrung der Mühltalstraße in Richtung Bensheim zu umgehen, bauten die Hochstädter ihre eigene Umgehung.

Um einen Einblick hinter der öffentlichen Wahrnehmung zu geben, hat sich Andreas Klemm (Mitinitiator des Projekts) entschlossen, einen Dreiteiler zu schreiben, der seine Sicht der damaligen Ereignisse darstellt.

In den nächsten drei Wochen werden auch andere Mitstreiter sich zu Wort melden und ihre Erlebnisse zu schildern.

 

 

Unsere eigene Umgehung - Die Straße des Friedens

Vor 5 Jahren war Hochstädten bundesweit in den Medien

Eine Betrachtung der Ereignisse von damals aus Sicht von Andreas Klemm

 

Erster Teil - Die Vorgeschichte

Am 8. Juli 2010 lese ich das erste mal von einer möglichen Sperrung der Mühltalstraße. Ich nahm diese Info mehr beiläufig wahr und machte mir weiter keine Gedanken darüber. Das sich das ein paar Wochen radikal ändern würde, war mir zu diesen Zeitpunkt noch nicht klar.

Anfang August gab es genau zu diesem Thema eine Ortsbeiratssitzung und anschließend einen großen Bericht im Bergsträßer Anzeiger (BA). Aber auch jetzt machte ich mir keine Gedanken über die Sperrung.

Warum eigentlich nicht?

Einige Monate zuvor war die Strecke zwischen Balkhausen und Jugenheim für mehrere Monate gesperrt gewesen. Der Effekt für das „Fiesta“ war eigentlich eher positiv: Mehr Fahrzeugverkehr über Hochstädten und ein leicht verbessertes Geschäft. Daher sagte ich mir selber: "Das wird schon gut gehen". Sehr kurz gedacht! Im „Fiesta“ war das auch bisher kein Thema an der Theke gewesen. Im Nachhinein mir völlig unverständlich!

Der erste Leserbrief

10. August - der erste Leserbrief von Dagmar Rose zu diesem Thema im BA. Unverständnis über die dreimonatige Vollsperrung ist hier zu lesen. Vielleicht sollte ich mich mit diesem Thema doch etwas mehr befassen?

Jetzt ist das Problem auch in meinen Alltag angekommen. Das Thema wird auch im „Fiesta“ diskutiert, das Problem kommt näher. An diesem Tag fand auch eine Ortsbeiratssitzung zu dem Thema statt. Daher ging ich hin.

Am gleichen Tag sprach mich Jürgen Gerisch, als betroffener Unternehmer in Hochstädten, an. Er machte sich über seine Umsätze in Zukunft sorgen. Das war der Zeitpunkt, wo auch ich endlich realisierte, was da auf uns zukommen würde. So langsam bekam ich ein mulmiges Gefühl.

Bei der Ortsbeiratssitzung hörten wir, was wir eigentlich schon alle wussten - Vollsperrung für drei Monate! Jürgen Gerisch hatte inzwischen der Stadt Bensheim angeboten, eine Umgehungstraße zu bauen (über das ehemalige Marmorit Gelände) für ca. 55.000.- Euro. Das wurde aber schnell abgelehnt.

Eigeninitative

Nach dieser Ablehnung sprach ich mit ihm, was es denn kosten würde, wenn die Umgehung von den Hochstädtern selbst finanziert werden würde. Er nannte den Preis von ca. 25.000.- Euro. Einen Betrag, den wir eventuell in Hochstädten einsammeln könnten. Diesen Plan bzw. diese Idee trugen wir an der Ortsbeiratssitzung vor, was von den Vertretern der Stadt ziemlich schnell und mit einer gewissen Arroganz abgeschmettert wurde. Dieses Verhalten veranlasst mich dann, einen Leserbrief für das BA zu schreiben, der auch am 12. August veröffentlich wurde (Eigeninitiative nicht erwünscht?). Was dieser Leserbrief auslösen würde, war mir zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar gewesen.

Noch am selben Tag rief mich der damalige Chefredakteur des BA, Herr Bänker, an und fragte mich, ob das ernst gemeint war, mit der Umgehungsstraße in Eigeninitiative. Nachdem ich ihm mein Vorhaben bestätigt hatte, sagte er seine Unterstützung zu. Ein wichtiger Verbündeter!

In den Tagen darauf wurde ich von mehreren Hochstädter Bürgern angesprochen, ob wir das wirklich vorhätten. „Wir“ - das waren zu diesem Zeitpunkt übrigens inzwischen, Bernd Rettig, Jürgen Gerisch und ich.

Nachdem wohl doch sehr massiven Protesten der letzten Tage wird der ursprüngliche Baubeginn und damit der Sperrung aufgeschoben. Eigentlich sollten die Baumaßnahmen am 16. August beginnen.

Den Druck, den die Bevölkerung mit Leserbriefen und Anrufen bei der Stadtverwaltung aufgebaut hatten, zeigten erste Wirkungen. Jetzt war für den 17. August eine Ortsbeiratssitzung mit vorheriger Bürgersprechstunde geplant. Wir waren gespannt, was dabei heraus kommen würde!

Tag der Entscheidung

Dienstag, den 17. August 2010: Die entscheidende Ortsbeiratssitzung mit Bürgersprechstunde. Eigentlich kam dabei nicht Neues heraus, außer, dass sich Bürger von der Verwaltung bzw. den Politikern ausgegrenzt und irgendwie nicht erst genommen fühlten. So ging es jedenfalls mir und ich denke, auch vielen anderen an diesem Abend.

Für mich ging es nicht nur um die Baustelle, irgendwann müssen eben Sanierungen durchgeführt werden. Nein, es ging darum, dass keinerlei Unterstützung für eine Eigeninitiative der Bürger Hochstädtens von Seite der Stadt zu erwarten waren. Ich rede hier nicht unbedingt von Geld, sondern Unterstützung in Logistik und Beratung. Nein nichts, ganz im Gegenteil, man wurde mit seinem Plan nur belächelt. Das ist es, was mich persönlich so sehr aufgeregt und mich in meiner Initiative für dieses Projekt bestärkt hatte.

JETZT ERST RECHT!

Es dauerte nicht lange und es wurden Pläne geschmiedet, Telefonate geführt und recherchiert. Inzwischen habe ich schon eine Internet Domain gesichert - „www.unsere-eigene-umgehung.de". Die Gestaltung der Homepage hatte ich in wenigen Tagen erstellt. Die Internetadresse sollte die Funktion der schnellen Information an alle haben.

Aber eines wurde schnell klar: wir benötigten für das Projekt einen rechtlichen Vertreter, wie zum Beispiel einen Verein. Ein eingetragene Verein (e.V.) war aber nicht in wenigen Tagen gegründet bzw. im Vereinsregister eingetragen. So etwas war aber zwingend notwendig, um eine rechtliche Grundlage zu haben. So eine Eintragung kann schon mal bis zu 6 Wochen dauern - soviel Zeit hatten wir aber nicht. Also benötigten wir einen bestehenden Verein der diese Rechtsgrundlage anbot.

Zu dieser Zeit führte Bernd Rettig bei Thomas Zieringer, der erst vor kurzem nach Hochstädten gezogen war, diverse Arbeiten in dessen Haus aus. Thomas Zieringer ist der Vorsitzende des Vereins „Friedensmal Wendepunkt e.V.“, der in Hochstädten ein Friedensmal errichten wollte. Nachdem Bernd Rettig ihn angesprochen hatte, erklärt sich Thomas Zieringer bereit, mit seinem Verein den rechtlichen Rahmen für das Projekt „Unsere eigene Umgehung“ zu schaffen. Im Gegenzug erhoffte er sich eine „Werbung“ für seinen Verein und das Projekt "Friedensmal" in Hochstädten. Dagegen war nichts zu sagen und wir stimmten zu. Jürgen Gerisch äußerte aberetwas Bedenken sich mit Thomas Zieringer einzulassen, da er bereits schon einiges Negatives von ihm gehört hatte. Trotz allem nahmen wir die Zusammenarbeit auf.

Ein Leserbrief nach dem anderen waren nun im BA zu lesen. Viel beschwörten den aufkeimenden Bürgersinn der Eigeninitiative. Aber auch andere Stimmen wurden laut. So z.B. ein Leserbrief von Roland Schneider (BA 25.8.10). Er beschimpfte quasi die Initiatoren und vor allem die Mitstreiter mit der Bezeichnung „ Fraktion der Zugezogene“. Sein Vorschlag war: "Sie" sollten sich besser im Kerwe-und Heimatverein oder in der Feuerwehr engagieren, als für solch einen Blödsinn.

Diese „Zugezogene“ lernten wir im Verlauf des Projekt noch besser kennen. Wie immer, gab es auch hier verschiedene Meinungen, doch die Vernunft und der Bürgersinn würden sich durchsetzen.

Die entscheidende Nacht

Nun ging es darum, das Projekt „Unsere eigene Umgehung“ clever auf den Weg zu bringen und keinen direkt verbal anzugreifen. Das Motto - „Wenn ihr es nicht macht, machen wir es!" Es folgten viele Planungsgespräche, die teilweise bis spät in die Nacht gingen. Kommunikation hierbei lief vor allem über eMail.

Ein Problem war, das Projekt in Zusammenhang mit der Satzung des Vereins Friedensmal Wendepunkt e.v. zu bringen. Hierbei konnte ich mich sehr lebhaft an eine Nacht erinnern, in der Thomas Zieringer und ich uns ständig E-Mails zugeschickt hatten, bis tief in die Nacht. Das Projekt musste mit der Satzung „Förderung des Friedens im allgemeinen“ verbunden werden. So kamen wir auf die Idee eine "Befahrbare Ausstellung" zu machen mit dem Thema „Dorffrieden - Frieden fängt im Kleinen an“. Somit hatten wir zwei Fliegen mit eine Klappe geschlagen. Das Thema Frieden war im Projekt und es konnte mit dem Auto befahren werden. Außerdem sollten Kunstwerke der Hochstädter zu diesem Thema am Straßenrand der Umgehungstraße stehen.

Den Hinweis auf Artikel 5 des Grundgesetzes „......Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“ kam mir Tage später in den Sinn. Dieser sollte uns vor eventuellen rechtlichen Maßnamen der Verwaltung schützen. Denn eines war klar: Wenn wir die Umgehungsstraße bauen, dann würde dies ohne offizielle Baugenehmigung sein.

Alles war nun bereit für die geplante Bürgerversammlung am 26.August, an der wir die Bürgerinitiative gründen wollten. 26. August - heute war es soweit - die Bürgerversammlung im Gasthaus „ Zum Wiesengrund“. Wie viele würden wohl kommen? Was würden die Anwesenden zu unserem Plan sagen? Würden wir genügend Leute zusammen bekommen, die bereit waren, mindestens 200.- Euro zu zahlen? All diese Fragen stellten sich vor der Versammlung. Etwas aufgeregt war ich schon. Meine Aufgabe bestand darin, dass ganze Projekt vorzustellen.

Bei Beginn der Veranstaltung war der Saal bis zum letzten Platz belegt, dass galt auch für die Stehplätze. Die Fenster wurden geöffnet, damit die Besucher die auf dem Parkplatz noch standen, zuhören konnten. Trotz des leichten Regens ließen sich die Leute nicht abschrecken. Das Thema bewegte Hochstädten und war hoch brisant, auch dank der laufenden Berichterstattung im BA.

Die Vorstellung des Projekts begann mit dem IST- Zustand, den jeder kannte- nicht besonders spektakulär. Dann aber kam ich zu dem, was und vor allem WIE wir es planen wollten. Befahrbare Ausstellung, Artikel 5 des Grundgesetzes, und eigene Finanzierung der Kosten von ca. 30.000.- Euro, Eintritt statt Maut für ein Euro.

Der Plan kam sehr gut an. Zum Schluss noch die Ankündigung, dass der Verein Friedensmal Wendepunkt e.V, wenn das Projekt schief gehen sollte oder durch einen Baustop verhindert werden würde, für 10.000.- Euro zu haftet. Nach der Veranstaltung rieben wir uns die Augen: 50 Personen hatten am ersten Abend schon für ca. 12.000.- Euro „gezeichnet“. Innerhalb der nächsten 4 Wochen würde sich die Anzahl der Finanziers auf 107 Personen erhöhen - FANTASTISCH! 

weiter mit Teil 2 am 4. Oktober

 

 

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