Neue Zeit - Magazin - Heilkraut des Monats: Kamille

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Neue Zeit - Magazin Juli 2018
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Juli 2018

Die Heilkraft der Kräuter nutzen

Kamille

Neue Zeit - Magazin Juli 2018 Heilkraut des Monats: Kamille Foto: Matthias Thiele

Matricaria chamomilla

 

Pflanze

Echte Kamille ist eine einjährige Pflanze und gehört zur Pflanzenfamilie der Korbblütler. Innerhalb der Gattung der Korbblütler gibt es noch weitere Arten wie Hundskamille, falsche Kamille oder Strandkamille, die jedoch keine heilenden Eigenschaften aufweisen. Die krautige Pflanze wächst als Halbstrauch und wird 20 - 60 cm hoch. Die Pflanze bildet dünne, gelbliche bis hellbraune Wurzeln aus. Die aufrecht wachsenden Stängel haben gefiederte Laubblätter und bilden im oberen Bereich eine buschige Verzweigung aus. In der Blütezeit von Mitte Mai bis Anfang Oktober entwickeln sich gelbe Blütenköpfe mit weißen Blütenblättern. Die Blüten der echten Kamille sind mit etwa 2 bis 2,5cm Größe deutlich kleiner als die Blätter der falschen Kamille oder Hundskamille. Ein weiteres Unterscheidungs-merkmal ist der charakteristische und intensive Duft, den nur die echte Kamille verströmt. Echte Kamille liebt sonnige Standorte und einen nährstoffreichen Mischboden mit Lehm- und Sandanteil. Sehr gut gedeiht die Pflanze auch auf Wildblumenwiesen und Brachflächen. In mäßig feuchter Erde               mit einem neutralen bis leicht alkalischen pH-Wert fühlt sie sich am wohlsten. Ansonsten ist die Pflanze als relativ anspruchslos, verträgt jedoch keine längere Trockenheit. Die Vermehrung geschieht am besten über Samen. Echte           Kamille hat einen intensiven würzig-herben Geruch und einen leicht bitteren Geschmack.

 

 

Geschichte

Echte Kamille war ursprünglich in Süd- und Osteuropa sowie Vorderasien beheimatet. Da sie schon im Altertum eine            bekannte und beliebte Heilpflanze war, wurde sie rasch fast weltweit verbreitet. Bereits bei den alten Ägyptern,            Römern und Griechen wurde Kamille als fiebersenkendes und entzündungshemmendes Mittel sehr geschätzt. Auch              zur Behandlung von Verdauungsbeschwerden, Gallenleiden und Blasenentzündungen wurde sie eingesetzt. In den            Werken von Hildegard von Bingen fand die echte Kamille erstaunlicherweise keine Beachtung. Erst ab dem frühen               15. Jahrhundert wurde echte Kamille in heilkundlichen Schriften lobend erwähnt. Ab der Neuzeit galt sie wieder als            eine der wichtigsten Heilpflanzen.

 

 

Inhaltsstoffe

Ätherische Öle, Azulen, Chamazulen, Apiin, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoff, Gerbsäure, Harz, Cumarin, Borneol,             Werg, Farnesol, Herniarin, Hyperosid, Matricin, Oleanolsäure, Salicylate, Salizylsäure, Schwefel, Thujon, Umbelliferon

 

 

Wirkung

Echte Kamille wirkt antibakteriell, entzündungshemmend, krampflösend und beruhigend. Alle Arten von Verdauungs-beschwerden lassen sich mit echter Kamille positiv beeinflussen. Durch die harntreibende und blutreinigende               Wirkung können Nieren- und Blasenbeschwerden sowie Gicht gelindert werden. Sie eignet sich auch zur Behandlung               von Nervosität, Schlaflosigkeit und Erkältungsbeschwerden. Spülen und Gurgeln mit Kamillensud ist hilfreich bei           Mund-, Rachen- und Zahnfleischentzündungen.

 

Äußerlich angewendet hat echte Kamille eine entzündungshemmende Wirkung und fördert die Wundheilung.

 

Gegenanzeigen: äußerlich angewendet hat Kamille eine austrocknende Wirkung und sollte daher nicht bei trockener               Haut angewendet werden. Bei bekannter Empfindlichkeit gegen Korbblütler sollte auf die Anwendung verzichtet               werden. Im Augenbereich ist Vorsicht geboten, da die Inhaltsstoffe der Kamille Augenreizungen hervorrufen können.   

 

 

Anwendungsformen

Verwendet werden ausschließlich die Blüten der echten Kamille als Heilpflanze oder zur Dekoration. Als Küchenkraut                hat sie wegen des bitteren Geschmacks kaum Bedeutung.

 

 

Heilrezepte

Tee:

1 Esslöffel getrocknete Kamillenblüten mit kochendem Wasser in einer Tasse übergießen und rund zehn Minuten             ziehen lassen. Je nach Bedarf 2 - 3 Tassen täglich über einen Zeitraum von 3 bis 4 Wochen trinken. Die Tageshöchst-        dosis von 5 Tassen sollte nicht überschritten werden. Auf eine dauerhafte Anwendung sollte verzichtet werden.

 

Dampfbad:

2 Esslöffel getrocknete Kamillenblüten mit kochendem Wasser in einer Schüssel oder einem tiefen Teller übergießen            und ein paar Minuten ziehen lassen. Ist der Sud etwas abgekühlt, werden Kopf und Schüssel mit einem Handtuch          abgedeckt und die aufsteigenden Dämpfe inhaliert. Dampfbäder mit Kamille lindern Erkältungsbeschwerden,               Entzündungen der Nasen- und Stirnhöhlen und helfen bei unreiner und entzündeter Haut.

 

Vollbad, Fuß-, Arm- oder Handbäder, Sitzbad:

Je nach Wassermenge 50 – 100 Gramm getrocknete Kamillenblüten mit 1 Liter kochendem Wasser übergießen,                   ca. 10 Minuten ziehen lassen und den Sud ins Badewasser gießen. Ein Bad hilft bei trockenen und eitrigen Ent-           zündungen der Haut und des Nagelbetts sowie Erkältungsbeschwerden und Gliederschmerzen. Ein Sitzbad lindert                    Afterjucken und hilft gegen Menstruationsbeschwerden, Scheidenentzündungen und Ausfluss. Bei Stress und        Depressionen wirkt ein abendliches Bad entspannend und beruhigend auf Körper und Geist.

 

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Heilkräuter und Heilpflanzen erleben nach einer Art Dornröschenschlaf derzeit ein großartiges Comeback. Viele Menschen sind es leid, Medikamente mit zum Teil riskanten Nebenwirkungen widerstandslos einzunehmen und suchen nach naturnahen Alternativen. Natürliche Heilmittel zeigen den Weg auf, wieder mehr Verantwortung für die eigene Gesundheit zu übernehmen. „Alle Wiesen und Matten, alle Berge und Hügel sind Apotheken.“ Paracelsus a. D. 1530

 

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Marion Fabijenna

 

 

 

 

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